Gedanken über ein Kunstwerk

Professor Otto Kümmel, der wohl allen Sammlern japanischer Kunst und japanischen Kunstgewerbes ein Begriff ist, schrieb in seinem bereits 1911 erschienenen Buch "Das Kunstgewerbe in Japan" über das japanische Schwert und erläuterte hierzu auf Seite 70

"Das wesentliche Element des japanischen Schwertes ist natürlich die Klinge - und sie fesselt auch in erster Linie die Aufmerksamkeit des Japaners. Indessen liegen die Eigenschaften der japanischen Klinge so tief unter der Oberfläche und offenbaren sich so wenig in leicht erfassbaren Zierformen, dass es einem Europäer fast unmöglich ist, zu einer Auffassung selbst gröberer Unterschiede zu gelangen.

Alle japanischen Klingen, die sich über ein gewisses, sehr niedriges Niveau erheben, erscheinen dem Europäer zunächst fast unbegreiflich vollkommen und die deutlichen Qualitätsstufen, die jeder Japaner von einiger Schwertbildung auf den ersten Blick sieht, so gut wie unerkennbar.

Eine Schulung, wie sie der Japaner durchmacht, würde wahrscheinlich auch den Europäer diese Unterschiede sehen lehren. Aber selbst in Japan ist nichts schwieriger, als eine größere Anzahl guter Klingen wirklich zu studieren und nach Europa sind solche Klingen beinahe nie gekommen, weil die Japaner niemals aufgehört haben, ihnen die höchste Schätzung zu widmen.

Bis heute hat sich an diesen Sätzen wenig geändert. Die einzige Veränderung des von Herrn Professur Kümmel beschriebenen Zustandes bezieht sich nämlich fast nur auf den letzten Satz, der dahingehend revidiert werden müsste, dass mittlerweile für den Interessenten in, Japan eine ganze Menge von Möglichkeiten offenstehen, wirklich erstklassige Klingen zu studieren.

Dies ist zu einem großen Teil der japanischen Gesellschaft "NIPPON BIJUTSU TOKEN HOZON KYOKAI" zu verdanken, die nicht nur durch erstklassige Publikationen Gelegenheit zum Studium gibt, sondern auch einmal im Jahr ernsthaft Interessierten die Möglichkeit bietet, wirkliche Staatsschätze in die Hand zu nehmen und zu studieren. Diese Gesellschaft ist sogar 15 Jahre lang soweit gegangen, auch Nicht-Japanern eine englische Ausgabe ihre Publikationen zur Verfügung zu stellen, die vierteljährlich erschienen und bis heute mit das Beste überhaupt an nicht-japanisch-sprachiger Literatur über das japanische Schwert darstellt.

Insofern hätten mittlerweile nun auch die Abendländer die Möglichkeit, das Essentielle des japanischen Schwertes zu studieren, wenn nicht - ja wenn nicht das von Professor Kümmel anfangs Gesagte nach wie vor zuträfe, dass nämlich japanischen Klingen über einem gewissen Niveau den Ausländern so vollkommen erschienen, so dass sie die deutlich, Oualitätsstufen nicht mehr erkennen können.

Um dieses beinahe unbegreiflich Erscheinende doch etwas verständlicher, etwas anschaulicher zu machen und um letztlich auch zu zeigen, dass auch ein paar relativ gute Klingen den Weg nach Europa gefunden haben, haben wir eine Ausstellung japanischer Klingen in Solingen arrangiert und einen Katalog herausgegeben, dem auch dieser Artikel in leicht abgeänderter Version entnommen wurde.

Hier soll nicht auf die in leicht erhältlichen englisch deutschsprachigen Büchern zu findenden Tabellen, Zusammenstellungen und allgemeinen Erklärungen, z. B. Schmiedevorganges, ausführlicher eingegangen werden soll, vielmehr soll hier der Weg aufgezeigt werden. Wie man zu einer Beurteilung der Qualitätsunterschiede gelangen kann.

Hierbei ist zunächst nur eines wichtig, dass man sich nämlich klar macht, um was es bei diesen Qualitätsunterschieden überhaupt geht. Dazu mag vielleicht die Übersetzung des Namens der japanischen Gesellschaft beitragen, der schon vorstehend erwähnten N.B.T.H.K.. Übersetzt heißt diese Gesellschaft nämlich nicht nur: "Gesellschaft zur Bewahrung des japanischen Schwertes", sondern:

"Gesellschaft zur Bewahrung des japanischen KUNST-Schwertes"

Damit aber ist gemeint, dass hier nicht (nur) eine Waffe bewahrt werden soll, sondern doch offensichtlich etwas, was mit KUNST zu tun hat.?Nur unter diesem Gesichtspunkt sind die Qualitätsunterschiede zu verstehen, wenngleich nicht verschwiegen werden soll, dass hier Kunst und Gebrauchsfähigkeit dergestalt ineinander übergehen, dass es durchaus möglich ist - aber nicht unabdingbar nötig -, dass die künstlerische Klinge auch die Bessere im praktischen Gebrauch ist.?Aus diesem Grunde werden in dieser Ausstellung nur Schwerter gezeigt, die den folgenden Ansprüchen gerecht werden

Das Schwert muss sowohl künstlerischen als auch historischen Wert besitzen, d. h. es muss einerseits hervorragend geschmiedet sein und andererseits auch ein gutes Beispiel für eine bestimmte Epoche in der Geschichte des japanischen Schwertes darstellen.?Es muss seine eigenen, einzigartigen und herausstehenden Eigenschaften in Bezug auf die Form, die Qualität und technische Details haben.?Es muss darüber hinaus hervorragend repräsentativ für einen bestimmten Künstler, eine Schule oder einen Ort sein, an dem es produziert wurde.

Um diese Kriterien zu verstehen, wird im Folgenden versucht,' kurz aufzuzeigen, was das japanische Schwert ist, sein historischer Hintergrund und ein chronologischer Abriss der Veränderungen in der Kampfweise, die damit auch den Stil und die Form von Schwertern im Laufe der Jahre verändert haben.

Diese Merkmale des japanischen Schwertes können ohne weiteres erkannt und erlernt werden, da sie klar auf der Hand liegen - geschulte Augen vorausgesetzt.?Diese Kenntnisse haben nichts mit "geistigem" Studium, Zen-Buddhismus, Erleuchtung, Kendo-Training oder Sentimentalität zu tun, sondern können in einem KUNST-Studium erlernt werden.

Dieselbe Art und Weise, Architektur, Malerei, Skulptur oder Musik an ihren Eigenheiten, an ihrem jeweiligen Stil erkennen und einordnen zu können, ist auch auf das japanische Schwert anzuwenden, das man ebenfalls an seinem Stil erkennen und dann zeitlich und räumlich einordnen kann, wobei man in diesem Fall jedoch weit mehr Kriterien zur Verfügung hat als bei anderen Künsten, da das Schwert mehrere Kunstformen in sich vereinigt.

Die Tatsache, dass das Schwert sowohl Waffe als auch Kunstwerk ist, verdeckt manchem, der hier nur die Waffe sieht, den Blick auf das Kunstwerk, weil eben bei einem Schwert - und dies gilt insbesondere bei einem japanischen Schwert - die Kunst dem ungeschulten Betrachter nicht so deutlich ins Auge springt, wie - sagen wir einmal - einem Besucher von Paris, der sich vor einem Regenschauer unter ein schützendes Dach flüchtet und - vielleicht in Notre Dame steht. Hier schützt ihn die Kunst vor Regen - aber wer würde wohl behaupten, dass Notre Dame nur ein etwas überdimensioniertes Regendach wäre?


Über technische Grundvoraussetzungen

Wie bei der Architektur mit der Vielfalt ihrer Bauwerke, der Malerei oder den Skulpturen, kurz bei den Kunstwerken mit ihren sich über die Zeit verändernden und doch nur ihnen gehörenden jeweiligen materiellen und technischen Ausdrucksformen und Eigenheiten, ist es unabdingbar zum Verständnis des "KUNST - Schwertes", auch an dieser Stelle kurz auf den einzigartigen Prozess der Herstellung eines Schwertes dieser Art einzugehen, das sich grundlegend von allen anderen unterscheidet.

Der Stahl, hergestellt bei niedriger Temperatur aus reduziertem Eisensand, wird im Holzkohlenfeuer auf ca. 800° Celsius gebracht und mehrfach gefaltet, wodurch ein Maximum an Härte und Widerstandskraft erzielt wird, weil dabei harte und weichere Schichten miteinander verbunden werden, wobei jedoch darauf zu achten ist, dass alle Unreinheiten verschwinden und jede Lage präzise verschweißt wird, da sich jede Nachlässigkeit unweigerlich an der fertigen Klinge deutlich zeigt. Die Art, wie das Material gefaltet wird, erzeugt die verschiedenartigsten und schönsten Stahlformationen, wie masame-, itame- und mokume-hada. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn der Schmied auch wirklich schon hier den Grundstock für ein schönes hada anlegt. Bei einem unpräzisen Arbeitsgang wird das hada im Aufbau gestört, es wirkt unsauber oder flach - um es mit anderen Worten zu sagen: unschön, unharmonisch bzw.. unkünstlerisch.

Ein Teil dieses Materials des ersten Arbeitsprozesses wird beiseite gelegt, der andere Teil weiter gefaltet (bis zu 21 Mal!), darauf wird der weniger bearbeitete Teil mit dem mehr bearbeiteten Teil umschlossen und zur Schwertform geschmiedet, wobei diese Form wiederum schön sein muss, denn auch sie kann künstlerisch und ästhetisch - oder aber hässlich sein. Beim Ausschmieden muss darauf geachtet werden, dass der mehr bearbeitete Mantel immer gleich dick gehalten wird. Würde dies nicht berücksichtigt, käme der innere Kern stellenweise zum Vorschein, was wiederum das hada störte, hässlich wäre und auch den Gebrauchswert des Schwertes verminderte, denn erst durch diesen Aufbau erhält das Schwert seine Widerstandsfähigkeit gegen Bruch und Verbiegen.

Daraufhin wird das Schwert mit einer Mischung aus Lehm, Poliersteinpulver, Holzkohle etc. umkleidet, an der Schneide dünner, am restlichen Klingenkörper dicker. Hierbei wird der hamon angelegt, der einfallslos oder auch hochkünstlerisch gestaltet, ja spannungsvoll geladen sein kann. Die Kunst, den hamon schön anzulegen, ist eine abstrakte Kunst.

Endlich wird die Schneide bis zur Rotglut erhitzt und im temperierten Wasser abgeschreckt. Dadurch entsteht die Härtungslinie, die nichts weiter ist als die Trennungslinie zwischen dem perlitischen Stahl des Klingenkörpers und der kristallisch martensitischen Schneide, weil die Schneide schneller abkühlt als der durch den Tonmantel geschützte Klingenkörper und dadurch extrem hart wird, während der Klingenkörper relativ weich bleibt und durch den Tonmantel nur eine Art begrenzter Einsatzhärtung erfährt.

So bleibt die Schneide scharf, ist aber gegen Bruch durch den weicheren Klingenkörper geschützt. Je breiter die Trennungslinie zwischen hart und weich ist, desto besser wird beim Schlag die auftretende Energie in den Klingenkörper übergeleitet und desto schöner ist auch der hamon.

Durch diesen strukturellen Aufbau wird bei einer japanischen Klinge aufs Perfekteste Hart und Weich miteinander verbunden, wobei eine extrem scharfe und dauerhafte Schneide die Einzigartigkeit des japanischen Schwertes darstellt. Auch hier, beim Härtungsvorgang, muss der Schmied die Kontrolle über die Klinge behalten, da beim Härten Spannungen auftreten, die die Klinge völlig ruinieren können.

Aus dem vorstehend beschriebenen Herstellungsvorgang dürfte klar geworden sein, dass eine Klinge aus vier künstlerischen Komponenten besteht, nämlich:

Form, Stahlqualität, HADA und HAMON

Nur dann, wenn diese vier Komponenten vom künstlerischen Wert her befriedigend sind, ist das Schwert von höherer Qualität ... je besser diese Komponenten sind, desto besser, künstlerischer und qualitätsvoller ist auch die Klinge. Um das beurteilen zu können, ist es freilich nötig, sich nur gute Klingen anzusehen - schlechte verderben einem nur das Auge - aber wenn man jede Gelegenheit nützt, sich gute Klingen anzusehen, wird man langsam feststellen, dass die Klingen, bei denen ALLE Kriterien schön sind, auch die Klingen sind, die von den berühmten Meistern stammen bzw. von berühmten Meistern signiert sind.

Selbstverständlich muss man wissen, dass Schwerter aus bestimmten Perioden oder Schulen eine unterschiedliche Schönheit aufweisen; so wird eine Ichimonji-Klinge z. B. eine von einer Kotetsu-Klinge total verschiedene Schönheit - und dies in allen Kriterien - aufweisen, wie sich auch ein Bild von van Gogh z. B. von einem Rembrandt unterscheidet, aber beiden Klingen wird dieselbe künstlerische Ausdruckskraft innewohnen.

Um diese verschiedenen Schönheiten zu verstehen, ist es unabdingbar nötig, zu der Begegnung mit einer guten Klinge auch ein großes Maß an Kenntnissen und geschulten Augen mitzubringen.

Bei japanischen Klingen handelt es sich nicht nur um "feine Kunst", eine Kunst, bei deren Studium sich beim Betrachter auch eine gewisse Freude einstellt, sondern um "hohe Kunst", d. h. Kunst, zu deren Verständnis und Würdigung der Betrachter etwas zur Begegnung mit dieser Kunst mitbringen muss, nämlich Kenntnisse und geschulte Augen, weil diese Kunst Ansprüche an den Betrachter stellt.

Ferner ist es nötig, sich die Charakteristika der verschiedenen Schulen, Provinzen und Meister einzuprägen, man muss zu einer Klinge sagen können

Ich kenne dich, ich weiß, wo, in welcher Zeit und von wem du gemacht wurdest", um dadurch auch wirklich zur Auffassung, zum Erkennen der "gewissen Qualitätsunterschiede" kommen zu können. Die typische Form des japanischen Schwertes - leicht gekrümmt, einschneidig und mit einem Mittelgrat versehen wurde

im Laufe der Zeit entwickelt und abgeändert, um den spezifischen Bedürfnissen ihres Gebrauches zu genügen. Diese Form, das so genannte shinogi-zukuri, ist außerordentlich funktionell, weil sie das Schwert relativ leicht und damit für einen schnellen Schlag geeignet macht, während seine Krümmung und sein einzigartiger Querschnitt, bei dem auch die Seitenflächen gekrümmt sind, das Schwert zu einem höchst effizienten Schneideinstrument machen.

Wie beschrieben sind also die Hauptmerkmale des japanischen Schwertes

A) Die gekrümmte Form mit einem Mittelgrat und die konvexen Schneideflächen. B) Zähigkeit und Stärke mit wunderschöner Oberfläche, die aus dem wiederholten Faltungsvorgang stammt und eine einzigartige Kombination von hartem und weichem Stahl in Myriaden von Schichten darstellt.

C) Eine ganze Reihe von Härtemustern entlang der Schneide, die von der Methode herrühren, nicht die ganze Klinge, sondern nur den Schneidenteil im Wasser zu härten.

Alle diese Merkmale sind in einer guten Klinge vorhanden; sichtbar und erkennbar werden sie jedoch nur, wenn sie von einem kompetenten Polierer in mühevoller Handarbeit auch herausgebracht werden. Der Polierer muss wissen, wie die Klinge ursprünglich angelegt wurde, denn jeder Schmiedestil erfordert andere Akzentuierungen, so dass ein schlechter Polierer den ganzen Charakter einer Klinge verändern kann und dadurch z. B. eine alte, gute Koto-Klinge so polieren kann, dass sie aussieht wie eine völlig unbedeutende Shinto- oder Shin-Shinto-Arbeit.

Umgekehrt kann natürlich auch ein hervorragender Polierer eine unbedeutende Klinge so verändern, dass sie (fast) wie eine gute aussieht.

Hier muss man sehr gute Kenntnisse haben, um ein solches Schwert richtig beurteilen zu können.

Auch hier muss wieder gesagt werden, dass das Restaurieren bzw. das Polieren nichts mit geistigen Erkenntnissen, dem Essen von gesäuerten Bohnen bei Vollmond, mit Zen-Buddhismus oder einer japanischen Freundin bzw. Ehefrau zu tun hat, sondern einzig und allein mit Kenntnissen.

Das Polieren, das sachgerechte Herrichten einer Klinge ist nur möglich, wenn man auch weiß, was man poliert, weil jedes Zeitalter, jede Schule und jeder Stil - wie bei allen Kunstobjekten auch - eigene Restaurierungsmethoden erfordert - wie beispielhaft und zur Verdeutlichung - ein Gemälde von Nolde andere Methoden der Restaurierung erfordert als eines von Rembrandt.

Wer allerdings nicht zwischen einem Nolde und einem Picasso unterscheiden kann, sollte sich auch nicht an eine Restaurierung derartiger Bilder wagen - ebenso wenig wie sich jemand an das Polieren einer Klinge wagen sollte, wenn er nicht weiß, ob sie von Kotetsu oder von Kanemitsu ist.

Nicht umsonst bildet die N.B.T.H.K. seit Jahrzehnten Polierer aus, um die alte Kunst des Polierens zu erhalten und damit auch den Schwertern die Restaurierung zukommen zu lassen, die ihnen gebührt.

Bedauerlicherweise muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Selbstversuche an japanischen Schwertern mit Polier-Steinen, Sandpapier oder Schleifpaste - auch wenn sie von professionellen Schleifern oder Polierern vorgenommen werden - diese Schwerter ruinieren und auch unwiederbringlich zerstören, da durch diese Art der Behandlung die Form, Struktur und die Härte verändert werden können.

Eine gute Politur wird ausschließlich durch sorgfältiges, zeitaufwendiges und nur von Hand zu bewerkstelligendes Abschleifen der Klinge mit einer Serie von Steinen wechselnder Konsistenz und Härte erzielt. Hierbei werden die bläuliche und schöne Oberflächenstruktur (kitae-hada) und die verschiedenen Härtungsmuster auf der Klinge sichtbar, wenn sie mit hoher Temperatur gehärtet wurde, erscheinen die nie wie brillante kleine Spiegelchen, während eine niedrigere Härtungstemperatur nioi wie Wolkenmuster bei Sonnenauf- oder -untergang erzeugt.

Man kann sehr gut diese "Malerei" des hamon mit einer Pinselzeichnung aus schwarzer Tusche vergleichen, wo durch die meisterhafte Beherrschung der verschiedensten Farbabstufungen - von hellgrau zu tiefschwarz - sich eine ganze Farbskala auf dem Papier entwickelt, während hier der Malgrund nicht Papier, sondern selbst schon (im besten Falle) ein Kunstwerk aus hartem und weichem Stahl ist. Auch die elegante und schöne Krümmung des Schwertes ist für sich schon ein ästhetischer Genuss, vergleichbar ebenfalls mit einem chinesischen Tuschegemälde aus der Sung-Dynastie, wo Schönheit von der Spannung zwischen starken und äußerst feinen Pinselstrichen abhängt.

Um das japanische Schwert als Kunstwerk studieren und würdigen zu können, sollte man mit dem sorgfältigen Studium der Form beginnen.

Dann sollte man die kristalline Struktur der Härtelinie, die Schönheit des Stahls und der Schmiedeschichtungen untersuchen und nicht zuletzt die Schönheit der Angel würdigen.

Es gibt eine Anzahl wichtiger Anzeichen an der Angel zu sehen, wie das Alter und die Farbe des Rostes, die Feilmarken, die Löcher und, wenn vorhanden, natürlich der Stil und die Form der Inschrift, die nach denselben Gesichtspunkten wie eine Tusche-Kalligraphie beurteilt und gewürdigt werden sollte.

Alle diese Kriterien zusammen sind Indikatoren der Zeit und der Identität des Künstlers, kombiniert dienen sie als wichtige Hinweise zur Beurteilung, Schätzung und Würdigung der japanischen Klingen.


Über die Geschichte, das Studium und die Würdigung des japanischen Schwertes

Während der ganzen Geschichte Japans bis zur Meiji-Restauration im Jahre 1868 wurden Schwerter natürlich zum Kampf benutzt; so machte der Samurai auch die größten Anstrengungen, um ein gutes Schwert zu erwerben, da es ja die Waffe war, mit der er am nächsten Tage möglicherweise ums Überleben kämpfen musste bzw. durch die er im schlimmsten Falle starb.

Oft wurden Schwerter als Geschenke unter Freunden ausgetauscht, oder der Kriegsherr belohnte einen besonders tapferen Mann mit einem Schwert. Für Generäle oder Anhänger der Fürsten war es die höchste Ehrung, von ihrem Fürsten ein berühmtes Schwert verliehen zu bekommen; es wurde höher geschätzt als ein Geschenk von Land, Gold oder Silber, Gemälden oder sonstigen Kunstschätzen. Solche Schwerter wurden die wichtigsten Familienschätze der Samurai. Das ging sogar soweit, dass der Daimyo von Tosa, dessen Familienerbstück ein Schwert von Kanemitsu war, auf das der Shogun ein Auge geworfen hatte, sich weigerte, das Schwert dem Shogun zu schenken und wenn ich ganz Tosa dafür aufgeben müsste, würde ich das Schwert niemandem überlassen ... !"

Von dieser Geschichte bekam das Schwert einen Namen "Ikkoku Kanemitsu" (Ikkoku = eine Provinz). Dieses Schwert ist heute als Bunkazai (= wichtiges Kulturgut) eingestuft.

Weil es extrem schwer war, ein echtes Schwert, das Werk eines berühmten Schwertschmiedes zu bekommen, wurde auch in alten Zeiten schon eine große Anzahl von Schwertern mit falschen Signaturen ausgestattet und dies sogar von Schmieden, die später selbst durch eigene Werke berühmt wurden.

Von manchen Schmieden, wie z. B. Kotetsu und Shinkai, existieren so viele Fälschungen, dass man sagen kann, dass unter hundert Schwertern, die ihre Signaturen tragen, nicht eines davon echt sein muss.

Aus dieser Tatsache kann man nur eines folgern: Nachdem es erwiesenermaßen so viele japanische Schwerter gibt, die entweder falsch signiert sind oder deren Qualität sehr zu wünschen übrig lässt, ist es außerordentlich wichtig Schwerter wirklich zu studieren, speziell, wie sie zu beurteilen sind und insbesondere, wie man gute von schlechten unterscheidet.

Zweckmäßigerweise geht man bei der Beurteilung wie folgt vor

FORM

Man versucht, wenigstens annäherungsweise, aufgrund der Form schon die Zeit zu bestimmen, in der das Schwert hergestellt wurde.

HAMON

Die Bestätigung, für die nach der Form ermittelten Zeit, versucht man durch Studium des Musters der Härtelinie zu ergründen, wobei auch die Schule, zu der der Schwertschmied gehörte, ergründet werden kann - möglicherweise auch schon den Schmied, der die Klinge geschmiedet hat.

HADA und JITETSU

Bei sorgfältiger Betrachtung der Oberfläche des Schwertes erkennt man, in welcher Zeit - Koto, Shinto oder Shin-Shinto - das Schwert entstanden ist, auch kann man hieraus Schlüsse auf die Schule oder gar den Meister selbst ziehen.

BOSHI

Auch das genaue Studium des boshi und der gesamten Spitze gibt weitere Auskunft darüber, welcher Meister das Schwert letztlich geschmiedet hat.

ANGEL

Als letztes untersucht man die Angel auf ihre Charakteristika und liest die eventuell vorhandene Signatur. Dabei sollte beachtet werden, dass die Signatur des Meisters schon unveränderbar in der Klinge selbst zu erkennen ist, die Signatur der Angel sollte im Idealfalle nur eine Bestätigung sein. Stimmen nun diese beiden "Signaturen" überein, ist die Chance gross, dass das Schwert echt ist - aber wenn eine der "Signaturen" abweicht, ist weiteres Studium ratsam, wobei jedoch die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass das Schwert eine Fälschung ist. Besonders dann, wenn die Signatur auf der Angel von der erwarteten Signatur abweicht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Fälschung sehr groß.

Die Form der japanischen Schwerter

In der Geschichte des japanischen Schwertes spiegeln sich die historischen Ereignisse getreulich in den Formen und Stilen der Schwerter wieder, besonders, wenn man die mannigfaltigen Varianten der Biegung, der Breite, Grösse und die

Wenn man einmal verstanden hat, welche Merkmale von Stil und Form für welche Zeit zutreffen, ist man in vielen Fällen schon in der Lage, die bestimmte Ära zu bestimmen, in der das Schwert entstanden ist.

Weitere Aufschlüsse erhält man durch den hamon, das hada, das jitetsu und das boshi, so dass man durch die Fülle dieser einzelnen Charakteristika - in ihrer Gesamtheit - mindestens die Schule identifizieren kann, aus der das betreffende Schwert hervorgegangen ist.

Wenn man sich dazu noch über die Qualität des zu untersuchenden Schwertes Klarheit verschafft hat, bereitet es in den Fällen, wo die Qualität über einem gewissen Niveau liegt, kaum noch Schwierigkeiten auch den individuellen Schwertschmied zu bestimmen, wobei zu beachten ist, dass dieser ganze Vorgang erfolgen sollte, ohne die eventuell vorhandene Signatur zu lesen.

Es ist deshalb von großer Wichtigkeit, die Form der Schwerter im Ablauf der Geschichte Japans eindringlich zu studieren, auf die ich nachfolgend eingehe

1. JOKOTO-Periode (Erdfunde und prähistorische Schwerter, beginnend etwa vom 4. Jhdt. Bis zum 10. Jhdt.)

Die frühesten Eisenschwerter, die man in Japan gefunden hat, sind wahrscheinlich aus Korea und China importiert worden - und wurden aber bald auch von einheimischen Schmieden hergestellt. Fast alle dieser Schwerter sind Bodenfunde und wurden aus den über ganz Japan verstreut anzufindenden Grabhügeln geborgen.

Sie sind alle gerade, ein- oder zweischneidig, wobei zu bemerken ist, dass die einschneidigen in der Form kire-ba-zukuri aufgebaut sind, während die zweischneidigen entweder ebenfalls kire-ba-zukuri (auf beiden Seiten) oder aber mit Mittelgrat gefertigt wurden.

Diese Jokoto-Schwerter wurden mehr von Fußsoldaten zum Stich und Stoss gebraucht als zum säbel-artigen Hieb von Berittenen.

Mit dem späten 9. Jhdt. aber wurde die Reiterei in Japan stärker zum Kampf eingesetzt, die aufgrund dieser Änderung natürlich auch andere Anforderungen an Klingen stellte. Die Schwertschmiede entwickelten deshalb ein am Griff mehr oder weniger gekrümmtes Schwert, wobei die kire-ba weiter nach dem Rücken der Waffe versetzt wurde, um einen schneidenden Säbelhieb zu ermöglichen.

Im weiteren Verlauf der Entwicklung erhielt dann das ganze Schwert eine leichte Krümmung, wobei jedoch die Kurve am Griff mehr akzentuiert war. Dadurch wurden diese Schwerter geeigneter für den Berittenen, eigneten sich aber immer weniger zum Stich.

So wurde langsam die importierte Form verändert, verbessert und endlich die einzigartige Form entwickelt, die das japanische Schwert auszeichnet.

Hierbei ist festzustellen, dass es sich bei der so entwickelten Waffe um ein Krummschwert, nicht aber um einen Säbel handelt, da ihr der charakteristische, gegen die Krümmung verlaufende "Säbelgriff" fehlt.

2. Mitte HEIAN bis frühe KAMAKURA-Periode (etwa spätes 10. Jhdt. bis frühes 13. Jhdt.)

Nach dem 10. Jhdt., als sich langsam die Kämpfe der Japaner nicht mehr gegen die stark zurückgedrängten Ureinwohner Japans, die Ainu, richteten, sondern die verschiedenen japanischen Familien sich untereinander zu bekämpfen begannen, stieg der Bedarf an Schwertern, die sowohl für den Kampf Reiter gegen Reiter als auch für den Kampf Reiter gegen Fußtruppen geeignet waren.

Die so entwickelten Schwerter sind etwa 80 cm lang (gemessen von der Spitze bis zum Beginn der Angel) und haben eine tiefe Biegung im angelnahen Teil der Klinge, während die Biegung zur Spitze hin fast völlig verschwindet und so das Schwert auch zum Stoss geeignet macht. Die Spitzen sind in dieser Zeit sehr klein, die Schwerter selbst sind schlank und werden zur Spitze hin noch schlanker, so dass es vorkommt, dass Schwerter aus dieser Zeit am Griff doppelt so breit sind wie an der Spitze.

Diese Klingen waren tachi, sie wurden mit der Schneide nach unten, hängend am Gürtel getragen. Es gab in dieser Zeit auch schon Dolche, von denen aber nur sehr wenige bis heute erhalten sind.


3. Mittlere KAMAKURA-Periode (etwa frühes bis spätes 13. Jhdt.)

Mit der Errichtung des neuen militärischen Machtzentrums in Kamakura löste eine harte, männliche und kraftvolle Kriegerkaste mit ihrer Kultur die verweichlichte und effeminierte, aber hoch stehende Heian-Kultur ab. Macht und Strenge. beeinflusst durch den asketischen Zen-Buddhismus, waren die beherrschenden Züge des Zeitgeistes.

Diese Einflüsse hatten auch ihre Auswirkungen auf das Aussehen der Schwerter, die zwar nach wie vor den tiefsten Punkt des Klingenradius in der Nähe des Griffes hatten, jedoch zur Spitze hin - im Vergleich zur vorangegangenen Periode - breiter wurden.

Auch die Spitze selbst wurde länger und stärker, chu-kissaki und ikubi-kissaki wurden vorherrschend.

Das Muster des hamon veränderte sich ebenfalls, aus einem ruhigen suguha wurden choji-midare-Muster von überschäumender Kraft und Schönheit, dabei aber scharf genug, um die starke Rüstung eines Feindes mit einem Schlag zu durchhauen.

Aus dieser Zeit sind auch viele Dolche erhalten, diese Dolche sind ca. 24 cm lang und haben entweder keine oder eine zur Schneide hin geneigte Biegung.

4. Späte KAMAKURA-Periode (etwa 13. Jhdt. bis beginnendes 14. Jhdt.)

In den Jahren 1274 und 1281 versuchten die Mongolen zweimal Japan zu erobern. Sie wurden jedoch durch eisernen und verzweifelten Kampfeswillen der Japaner aufgehalten, wobei in beiden Fällen ein Taifun die Flotte der Mongolen vernichtete (kami-kaze), wonach die Japaner mit den Eindringlingen relativ kurzen Prozess machten.

Bei dieser Gelegenheit wurden die Japaner mit völlig neuen Taktiken und Bewaffnungen konfrontiert. So hatten die Mongolen Leder- und Wattepanzer, die mit den damaligen Schwertern nicht so leicht zu durchschlagen waren. In den Schlachten, die nach den Mongoleneinfällen gefochten wurden, erkennt man bereits, dass die Japaner aus diesen Angriffen gelernt hatten. Sie setzten nun mehr auf Fußtruppen in fester Schlachtordnung mit massiver Bogenschützenunterstützung als auf Einzelkämpfer zu Pferde - wie in der Vergangenheit. Die schwere Rüstung (O-yoroi) wurde mehr und mehr durch die leichteren do-maru ersetzt und dies nicht nur bei den Fußtruppen, sondern auch bei höher rangigen Kriegern.

Die tachi aus dieser Zeit haben eine nicht mehr ganz so tiefe Biegung, auch verlagert sich diese Krümmung mehr zur Mitte hin (tori-zori). Die Klingen werden dünner, die Schneideflächen sind nicht mehr so konvex (hira-niku) und die Spitzen werden länger.

Aus dieser Zeit gibt es noch viele Dolche, sie sind geringfügig länger als die aus der früheren Zeit und haben in den meisten Fällen keinerlei Biegung mehr (mu-zori).

5. NAMBOKUCHO-Periode (frühes bis spätes 14. Jhdt.)

Diese Zeit war gekennzeichnet durch die Errichtung von zwei Kaiserhöfen, die sich 60 Jahre lang Kämpfe um die Vorherrschaft lieferten, wobei letztendlich der nördliche Hof mit Ashikaga Takauji die Oberhand gewann.

Die Schlachten dieser Zeit spielten sich hauptsächlich im gebirgigen Gebiet ab, wodurch größere Reiterkämpfe infolge des ungünstigen Geländes relativ seltener waren. Fußkämpfe mit tachi und naginata überwogen. Naginata waren sehr lang (ca. 150 cm), mit langen Spitzen und sie eigneten sich mehr für einen horizontalen Rundumschlag als für einen Hieb von oben nach unten. Um das Gewicht der langen Waffe zu reduzieren wurde die kasane relativ dünn gemacht, wohingegen die mihaba verbreitert wurde. Zusätzlich findet man auch oft bo-hi in allen Variationen, die eine zusätzliche Gewichtsersparnis brachten.

Die Rüstungen dieser Zeit waren leichter, um die Beweglichkeit des Fußkämpfers zu garantieren (do-maru und haramaki), während die große Rüstung (o-yoroi) infolge ihres hohen Gewichtes an Bedeutung verlor.

Die Dolche dieser Zeit waren ebenfalls länger und breiter als die aus den vorangegangenen Perioden. Bemerkenswert ist, dass diese Dolche drei Eigentümlichkeiten haben, die ihre Identifikation sehr erleichtern: Zum Einen sind sie gekrümmt, zum Zweiten länger als die sonst übliche Dolchlänge und zum Dritten ist ihre kasane relativ dünn.

Die unübliche Länge geht sogar soweit, dass sie sogar ein shaku (30,3 cm) überschreitet, was gleichbedeutend damit ist, dass diese Dolche eigentlich wakizashi sind - in diese Zeit also fällt die "Erfindung" des Kurzschwertes. Zwar gab es schon früher Klingen in der Länge über einem und unter zwei shaku - aber diese Klingen waren jedoch so genannte ko-tachi und wurden auch wie tachi getragen und sie haben daher nichts mit dem wakizashi zu tun.

6. Frühe MUROMACHI-Periode (spätes 14. Jhdt. bis spätes 15. Jhdt.)

Der Stil des tachi aus dieser Zeit unterscheidet sich schon wieder etwas von dem vorangegangenen, die Klingen verlieren ihre extreme Breite (mihaba), ihre extrem langen Spitzen und auch ihre Länge bildet sich zurück.

Bezeichnend für die Schwerter aus dieser Zeit ist, dass das Zentrum der Krümmung nach oben, also zur Spitze hin, wandert. Im Extremfall geht das und zwar unter Beibehaltung der Krümmung, so weit, dass diese Klingen fast den Eindruck erwecken, als hätten sie zwei Zentralkrümmungen.

Von wesentlicher Bedeutung für diese Zeit ist jedoch die "Erfindung" des katana.

Es änderte sich die Trageweise des Schwertes, man trug es nicht mehr am Gürtel mit der Schneide nach unten hängend, sondern es wurde nunmehr mit der Schneide nach oben in den Gürtel gesteckt.?Der Grund dafür lag darin, dass immer mehr Kämpfe zwischen Fusstruppen erfolgten - und für einen Kämpfer zu Fuss zieht sich das Schwert schneller und bequemer, wenn er es einfach mit der Schneide nach oben durch den Gürtel steckt. Selbstverständlich musste es hierbei jedoch in der Länge verkürzt werden, weil sonst die Armlänge nicht ausreichen würde, das Schwert aus der Scheide herauszuziehen. Eine mittlere Standardlänge für Schwerter dieser Zeit liegt somit etwa bei ca. 68 bis ca. 70 cm.

Auch das wakizashi gewann immer mehr Popularität, es wurde sowohl in hira- als auch in shinogi-zukuri hergestellt und erfreute sich als "Hilfsschwert" steigender Beliebtheit.

Die Dolche dieser Zeit werden mit ca. 27 cm wieder etwas kürzer als in der vorangegangenen Periode und beginnen wieder den Dolchen aus der späten Kamakura-Zeit zu ähneln.

7. Späte MUROMACHI-Periode (etwa spätes 15. Jhdt. bis spätes 16. Jhdt.)

Diese Zeit wird charakterisiert von den ständigen Kämpfen der verschiedenen Parteien im ganzen Land und dem fast völligen Zusammenbruch der Zentralmacht.

Die Gefechte wurden von Truppenkontingenten in fester Schlachtordnung geführt, von den ritterlichen Einzelkämpfen früherer Jahrhunderte war nichts mehr zu sehen. Als Hauptwaffen wurden Speere und Luntenschlossmusketen eingesetzt und erst im härtesten Nahkampf gebrauchte man Schwerter - in dieser Zeit massenhaft aus schlechtem Eisen hergestellt - nur noch als Waffe anzusprechen und ohne die geringste Spur eines Kunstwerkes. Natürlich gab es auch Ausnahmen, z. B. dann, wenn ein hochrangiger Schmied auf Bestellung arbeitete oder wenn zwei Schmiede zusammen eine Klinge fertigten, aber derartige Werke sind sehr selten - was gute Schwerter übrigens immer sind.

Den Erfordernissen entsprechend wurde auch ein anderer Typ von Rüstungen entwickelt, kugelfest sollte er sein - was dann später zum Yukinoshita-do führte.

Aus dieser Zeit stammen zwei Typen von Schwertern, das kurze katana mit einer kurzen Angel, zum Gebrauch für eine Hand und mit einer Länge von ca. 64 cm, sowie ein ca. 75 cm langes katana mit einer längeren Angel für den zweihändigen Gebrauch.

Wakizashi waren mit einer Länge von ca. 50 cm bis ca. 55 cm etwas länger als in der vorherigen Periode und wurden zusammen mit dem katana getragen. Es entwickelte sich die Mode - später auch reglementiert - beide Schwerter identisch montieren zu lassen ... und das "DAI-SHO" war "erfunden".

Dolche aus dieser Zeit kommen in vier Typen vor

Kleine Dolche in hira-zukuri ohne sori oder mit gegenläufigem sori. Etwas breitere und längere Dolche mit saki-sori. Kleine Dolchen deren Schneide und Spitze fast gerade sind. Zweischneidige Dolche (moroha-zukuri).


8. MOMOYAMA-Periode (spätes 16. Jhdt. bis frühes 17. Jhdt.)

Mit dem Beginn der Keicho-Ära (1596) endet die Koto-Periode, es wird ein völlig neuer Schwerttyp entwickelt, nämlich das Shinto-Schwert. Charakteristisch dafür ist, dass die Schwerter von der Momoyama-Zeit an nur noch Reproduktionen bzw.?Nachempfindungen früherer Stile sind. Auch bei dem typischen so genannten Shinto-Schwert, das ziemlich gerade ist und zur Spitze hin nicht wesentlich schmäler wird, ist das Original leicht in der mittleren Kamakura-Zeit aufzuspüren.

Während der Momoyama-Zeit werden die Schwerter den in der Muromachi-Zeit zum katana gekürzten Schwertern aus der Nambokucho-Zeit nachempfunden, was natürlich der ursprünglichen Form der Originale nicht mehr so ganz gerecht wird. Auch trägt die Tatsache, dass die kasane wieder etwas dicker wird, nicht gerade zur ästhetischen Verfeinerung bei - mit anderen Worten - die frühere würdige und gekonnte Eleganz der Form wird nicht mehr erreicht.

Dasselbe gilt auch für den verwendeten Stahl. Der Schmied stellte nicht mehr seinen eigenen Stahl her, er bezog ihn von speziellen Herstellern, auch importierter Stahl bzw. Eisen wurde verwendet. Diese unterschiedliche Stahlqualität erlaubte und erforderte ganz andere Verarbeitungsmethoden. Dadurch änderten sich das hada und der hamon - ein "neues" Schwert war entstanden.

Es war gewiss nicht schöner als die Meisterwerke aus der Kamakura-Zeit, wenngleich die berühmtesten Meister der ShintoPeriode - im künstlerischen Sinne - noch ganz hervorragende Arbeiten zustande brachten.

Die Schwerter dieser Zeit wurden nicht mehr in großen Schlachten eingesetzt, sie fanden nur noch in Zweikämpfen Verwendung, oft ausgetragen zwischen Fechtern in Zivilkleidung und wurden dementsprechend praktikabel hergestellt. An ein Schwert wurden nun andere Ansprüche gestellt, es musste nicht mehr Eisen- oder Lederpanzer durchschlagen oder durchstechen, sondern seidene Kimono, auch in künstlerischer Beziehung veränderte sich der Geschmack, "realistische Abarten der traditionellen hamon-Formen wurden entwickelt - ein "neues" Schwert ist entstanden.

Die gokaden, die fünf traditionellen Schulen, sind nun mehr selten aufzuspüren, die Freizügigkeit und der Friede ermöglichen es, dass ein Schmied z. B. aus der Bizen-Provinz in Satsuma zu einem Meister geht, der in der Yamato-Tradition arbeitet und von ihm lernt und dann weiterzieht nach Sendai und dort in der Mino-Tradition schmiedet. Von dieser Zeit an kann man nunmehr nur noch vereinzelt von den fünf alten Schulen sprechen, es entstanden neue Schulen, die bis heute nach den Meistern oder Städten benannt werden.

Die Mehrzahl der tanto und wakizashi erinnern an diejenigen der Nambokucho-Periode, in Länge, Breite und Form - allerdings mit einer Ausnahme - die kasane ist dicker, als sie beim Original war.

9. Frühe bis mittlere EDO-Periode (etwa Mitte 17. Jhdt. bis spätes 18. Jhdt.)

Durch den Frieden in der Tokugawa-Periode, hatten Ideologien Zeit sich zu entwickeln. So wurde Bushido bestimmend für die Klasse der Samurai, Fechtschulen entstanden und neue Arten des Schwertfechtens, in denen nicht mehr so sehr auf den Hieb, vielmehr auf den Stoss abgestellt wurde.

Entsprechend wurde das Schwert gerader, nach vorne zu leichter, d. h. schmäler und damit schneller, auch reduzierte sich die Länge auf ca. 69 cm, im Gegensatz zu den Schwertern der Keicho-Periode, die ca. 74 cm lang waren.

Nach 1652 mussten die Samurai zwei Schwerter tragen, das Dai-Sho. Dolche nach diesem Datum sind demzufolge selten. auch war der Bestand an älteren Dolchen nicht durch Kriegseinwirkung so dezimiert worden. Wenn jedoch Dolche in dieser Zeit geschmiedet wurden, dienten für ihre Formgebung Werke aus der Kamakura-Periode.

Etwa um 1688 blühten die Wirtschaft und der Handel, eine sehr luxuriöse Zeit brach an, reiche Kaufleute, die nur wakizashi tragen durften, ließen sich von den berühmtesten Schwertschmieden wakizashi anfertigen, von denen es nun ausgesprochene Meisterwerke aus dieser Zeit gibt.

10. Späte EDO-Periode (spätes 18. Jhdt. bis spätes 19. Jhdt.)

Mit dem ausgehenden 18. Jt. erlebte Japan eine Welle der Rückbesinnung auf alte Werte, von der auch die Schwertschmiede nicht unberührt blieben. Das Ergebnis war, dass nun Kopien aus allen Zeiten hergestellt wurden, die insgesamt jedoch etwas straffer und wieder etwas länger waren.

Beliebt waren wieder Kopien aus der Nambokucho- und der späten Kamakura-Zeit, auch alte Schmiedemethoden wurden wieder angewendet, so dass man aus dieser Zeit Klingen mit sehr extremen hada sehen kann. Dies gilt auch für Dolche aus dieser Zeit.

Insgesamt aber ist zu sagen, dass bei aller Rückbesinnung auf alte Methoden der Herstellung, die Qualität der Schwerter doch erheblich zu wünschen übrig ließ.

Diese Tatsache erklärt sich wohl am deutlichsten, wenn man sich vergegenwärtigt, dass in der vorangegangenen Koto-Periode etwa 70 Schmiede der absoluten Spitzenklasse gelebt und gearbeitet haben, in der Shinto-Periode noch etwa 15, während in der um ca. 1800 beginnenden Shin-Shinto-Periode nur noch vier Meister dieser Spitzenklasse zugerechnet werden können.

11. Moderne Zeit (etwa spätes 19. Jhdt. bis heute)

Das Jahr 1876 kann nur als trauriges Jahr in Bezug auf die Schwertschmiedekunst genannt werden, da in diesem Jahr durch das Meji-Edikt das Verbot des Schwerttragens in Kraft trat.

Der Bedarf sank somit auf null, die Schwertschmiede fristeten nun ihr Leben durch die Herstellung von billigen Exportgegenständen oder durch die Fertigung von Haushaltsgegenständen und landwirtschaftlichem Bedarf. Dennoch ist es Kaiser Meji zu verdanken, dass die Kunst des Schwertschmiedens nicht gänzlich verloren ging, da er Schmiede durch Bindung an den Kaiserlichen Hof oder durch gezielte Aufträge unterstützte.

Die als "lebende Nationalschätze" geehrten Schmiede Miyairi Shohei und Takahashi Sadatsugu führten nach dem Kriege die Tradition fort, nicht Waffen sondern Kunstwerke in Form von Waffen herzustellen. In dieser Tradition folgten ihnen die Schmiede Gassan Sadakatsu und Sumitane Masamine.?Die Schwertschmiede Osumi Toshihira und Amada Akitsugu wurden 1977 bzw. 1978 als "Lebende Schätze der Präfektur" nominiert.

Diese Tradition wird bis heute fortgesetzt.

Am 25. Mai 1997 wurden durch das Committee of Cultural Assets Conservation elf Ningen Kokuho, "lebende Nationalschätze" nominiert, unter denen sich auch gestaltende Künstler, wie z. B. von Porzellan und Textilien, aber auch metallverarbeitende Künstler befanden.

In diesem Zusammenhang darf die Kunst der Restaurierung und der Politur von Schwertern nicht unerwähnt bleiben. Als Ningen Kokuho sind hier Fujishiro Matsuo sowie Nagayama Kokan zu nennen.

Auch heute noch werden von ca. 200 bis 300 Schmieden unter strengen Auflagen Schwerter hergestellt.

Die Augen zu öffnen

Ein vielleicht etwas provozierender Titel für ein Resümee, einen Ausblick und dennoch zugleich eine gewichtige Empfehlung.

Wie schon erwähnt, ist es durchaus möglich, die Zeit, die Schule und den Schmied aus den Merkmalen eines Schwertes abzuleiten, indem man Stil und Form, wie in der vorstehend beschriebenen Weise analysiert, wobei natürlich die Kenntnis von vielen repräsentativen Meisterwerken durchaus wertvoll ist. Bei der Identifizierung einer Klinge sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass es immer und überall Ausnahmen von den oben angeführten Regeln geben kann.

Deshalb ist es unabdingbar, sich mit den Klassifikationen und Spezialausdrücken der Schwertterminologie intensiv zu befassen und sie kennen zu lernen, ebenso wie es unerlässlich ist, sich möglichst viele gute Klingen, wie hier in dieser Ausstellung präsentiert, anzusehen.

Es nützt absolut nichts, wenn man sich nur jede Menge Blankwaffen japanischer Provenienz anschaut, möglichst noch schlecht und in unzureichendem Zustand, um sagen zu können, dass man viele Schwerter gesehen habe und damit bereits das Essentielle des japanischen Schwertes kennen gelernt hat.

An einem Schwert ohne Politur ist nämlich außer der Form überhaupt nichts von dem erkennbar, was ein Schwert zu einem guten Schwert macht.

Ohne Politur unterscheidet es sich also nur in der Form von einem maschinengemachten Militär-Schwert, welches absolut nichts mit Kunst, aber dafür um so mehr mit Waffe zu tun hat - und dies ist die erste Schwierigkeit, die es zu überwinden gilt.

Die Zweite ist die, dass es auch genügend Schwerter gibt, die zwar eine Politur haben, diese Politur jedoch ohne eigenen Verdienst bekamen, da sie nur aus einem einzigen Grund poliert wurde, weil man dem Besitzer erklärt hatte, dass Schwerter poliert gehören.

Hier setzt dann die bereits ganz am Anfang von Professor Kümmel erwähnte Schwierigkeit ein.

Leider ist es bis heute so, dass oft ein mit sehr hohem Kostenaufwand wieder hergerichtetes Schwert studiert wird, das aus einer Waffenfabrik des alten japanischen Kaiserreiches zwischen den Weltkriegen stammt, an dem nichts, aber auch gar nichts zu sehen ist, keine Form, kein hada, kein oder ein unzureichender hamon, einfach deshalb, weil nicht erkannt wird, weil man nicht weiß, was das ist, was eine Waffe von einem "Kunst- Schwert" unterscheidet.

Das gleiche gilt natürlich auch für die Klingen aus der Muromachi-Zeit, die hochgeschätzt bei vielen europäischen Sammlern sind, da sie ja immerhin aus der Koto-Zeit stammen.

Auch ein guter Teil dieser Klingen ist nichts als "Massenproduktion", auch an ihnen kann man nur wenig sehen, was als gut anzuerkennen wäre, denn diese Klingen liegen noch unter dem "sehr geringen Niveau".

Aber auch Klingen, die von unbedeutenden Meistern stammen, über und über bedeckt mit Schmiedefehlern, einfallslos in Form, hada und hamon oder schlicht langweilig, stellen einen großen Teil der europäischen Sammlungen dar, weil Waffen japanischer Provenienz" gesammelt wurden und nicht "KUNST - Schwerter" - aus Gründen, die bereits Professor Kümmel geschildert hat.

Alle Schwerter dieses niedrigen Niveaus sind in den meisten Fällen nicht einmal natürlich zu klassifizieren, da man die Merkmale von Schulen, Zeiten, Provinzen oder gar Meistern nicht einmal mehr rudimentär erahnen kann. Zwar bieten viele dieser Klingen - manche auch nur andeutungsweise - eine Art von Form, hada, hamon oder jitetsu, ja, es ist sogar durchaus möglich, dass man bei intensiver Betrachtung und Untersuchung sogar stellenweise gewisse Details als schön - oder "unbegreiflich vollkommen" - empfinden kann.

Trotzdem ist davon abzuraten sich mit Klingen niedrigen Niveaus zu befassen - vorausgesetzt selbstverständlich, dass man sich für das "Kunst-Schwert" interessiert - da schlechte Schwerter den Blick für das Gute, das Wesentliche und Wichtige verderben.

Man kann also nicht seine Augen an schlechten Schwertern schulen, genauso wenig, wie - ich wähle hier zur Verdeutlichung einen sehr drastischen Vergleich - wie man seine Ohren auf Werke von Beethoven einstellt, indem man Katzen auf einem Hinterhof zuhört.

Bei wirklichem Interesse für die Kunstform der japanischen Klinge gibt es nur zwei Möglichkeiten seine Kenntnisse und seine Augen zu schulen: Erstens durch das Betrachten guter Schwerter und zweitens durch ein intensives Studium der Literatur.